19 Südafrika & Swasiland – Ende in Sicht


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Das Tal unter der Wolkendecke ist staatliches Niemandsland.



Ich bin am Sani Pass auf über 3000m. Die Straße schlängelt sich in die Tiefe und der Nebel verdeckt die Sicht. Nach einem tollen Frühstücksbuffet mit Olivier, Radl ich langsam immer weiter ins Unbekannte, bis ich aus dem Nebel komme und das ewig lange Tal auf der südafrikanischen Seite sehe. Ich brauche ca. Zwei Stunden bis ans Ende des Tales, weil die Straßenbedingungen nur langsames kriechen erlauben. Noch den Stempel am Grenzposten abholen und ich bin wieder in Südafrika. Ein Kulturschock. Keine Rundhütten, keine Schafe, keine Ziegen, keine Hirten. Kinder stehen am Straßenrand, ich warte schon auf das übliche „Sweets, Sweets!“, stattdessen- Nichts.

Ich komme nach Durban. Willkommen zurück in der Zivilisation! Für einige Tage genieße ich das Backpackerleben. Johnny arbeitet dort im Hostel, ein lustiger Typ und immer in Party Stimmung. Am Abend fahren wir in ein Lokal namens „cool runnings“. Ca. 20 Leute sitzen im Kreis und trommeln rhythmische Klänge, während in der Mitte meist 2 Personen tanzen. Jeder hat seinen eigenen style- aber fast alle tanzen sich in Trance- so feiern die locals also! Eine kulturelle Erfahrung der anderen Art.

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Toller Ausblick vom Fußballstadion in Durban mit Nicole, Jan, Kevin und Bernjan.

Von Durban fahre ich immer in Küstennähe weiter Richtung Norden. In Saltrock will ich gerade mein Zelt am Strand aufstellen, als mich ein Mann anspricht und mich zu ihm nach Hause einlädt. Das lass ich mir nicht entgehen! Eine heiße Dusche, ein eigenes Zimmer mit großem Bett und ein gutes Abendessen, das seine Frau zubereitet, ist genau das Richtige nach einem anstrengenden Tag. Was für eine schöne Überraschung.

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Ich werde nach Hause eingeladen und darf in einem großen Bett schlafen.

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Traumhafter Sonnenuntergang in St. Lucia mit Thandy, Mario und Callum. Krokodile schwimmen im Wasser unter uns.

In St. Lucia muss ich leider einige Tage pausieren, weil mich eine Nasennebenhöhlen- und Stirnhöhlenentzündung außer Gefecht setzt. Für eine Safari in das nahegelegene Game Reserve bin ich jedoch fit genug und ich darf Nashörner, Elefanten, Gnus, Impalas und vieles mehr aus dem Safari-Jeep beobachten.

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Typisches Backpackerleben in St. Lucia. Ich habe eine tolle Zeit in St. Lucia mit Mario, Callum, Thandy und Bastian beim Kartenspielen.

Safari im Hluhluwe Game Reserve:

Nach einigen Tagen in St. Lucia muss ich wieder weiter. Die Straße am Ende des Dorfes führt über eine Brücke, wo ich noch einmal die Nilpferde und Krokodile beobachte, bevor ich weiter Richtung Swasiland fahre.



Die Idylle findet jedoch ein schnelles Ende, als mich ein Auto mit dem Seitenspiegel am Ellenbogen anfährt. Gott sei Dank komme ich mit dem Schrecken davon und ich wechsle auf die kleinen Nebenstraßen. Plötzlich stehe ich vor einem Schild mit der Aufschrift „private Game Reserve“. Ich mache mir wenig Gedanken, vielleicht sehe ich Impalas und Kudus, aber nicht mehr. Doch plötzlich stehen vier Giraffen vor mir und schauen mich verdutzt an, bevor sie zwischen den hohen Bäumen verschwinden. Was für ein Gefühl!

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Giraffen auf dem Rad zu begegnen ist ein spannendes Erlebnis!

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In Swasiland gibt es riesige Zuckerrohr Plantagen.

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Eine Löwin im Hlane Game Reserve.

Ich komme zum Grenzübergang nach Swasiland. Ich brauche, ähnlich wie für Lesotho, kein Visum und ich kann die Grenze in das Königreich ohne Probleme und schnell überqueren. In Lesotho habe ich von Olivier einen Tipp für einen tollen Campingplatz bekommen und nach zwei Nächten im Busch übernachten bin ich schon fast ganz im Norden des kleinen Landes gelandet. Auf diesem Campingplatz treffe ich zwei Pärchen aus Belgien. Wir verbringen einen netten Abend, beobachten die Nilpferde im kleinen See vor der Lodge, grillen und als sie erfahren, dass meine Reise bald zu Ende sein wird und ich noch keinen Löwen gesehen habe, bekomme ich von ihnen eine Überraschung: „Du kannst deine Reise nicht beenden, ohne einen Löwen gesehen zu haben! Du kommst mit zur Abendsafari!“ und tatsächlich, wir sehen vier Löwen! Ein wirklich tolles Geschenk, da leider nicht nur meine Reise, sondern auch mein Budget dem Ende zugeht.

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Es geht noch einmal in die Berge auf 1400m.

Einige Tage bleiben mir noch und ich entscheide mich noch einmal für die anspruchsvolle Variante über die Berge. Von knapp 300m kämpfe ich mich noch einmal rauf auf 1400m zu einem kleinen Dorf namens Bulembu. Schon bei meiner Ankunft spüre ich die besondere Ausstrahlungen dieses Bergdorfes. Jeder kennt jeden, jeder grüßt jeden. Bald erfahre ich, dass hier vor nicht all zu langer Zeit Asbest abgebaut wurde. Der Abbau wurde gestoppt und das Dorf schrumpfte von knapp 15 000 Einwohnern, auf 2000. Seitdem schlägt das Dorf einen anderen Weg ein.

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Typische Arbeiterwohnungen in Bulembu.

Es ist mittlerweile zu Hause von hunderten Waisenkindern von ganz Swasiland und im ganzen Dorf gibt es verschiedene Einrichtungen, deren Erlös diesem Waisenprojekt zu Gute kommt. zb. der Erlös der Logde, der Honigproduktion (welcher im ganzen Land verkauft wird), oder des Souvenirladens (ich habe mein bestes gegeben☺).

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In der Früh spielen die Waisenkinder Fußball.

Von dort fahre ich wieder nach Südafrika nach Nelspruit. Es ist mein letzter Tag im Sattel in Afrika, da ich von dort den Bus nach Johannesburg nehme. Zu viel Zeit habe ich durch meine Stirnhöhlenentzüdung verloren und außerdem sind die letzten Kilometer in eine Großstadt absolut uninteressant. Industriegebiet, Townships und unsichere Gegenden. Da verbringe ich lieber mehr Zeit in den Bergen!

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Zwischen Zaun und Büschen finde ich einen versteckten Platz, um mein Zelt aufzustellen.

Die letzten Tage habe ich mit gemischten Gefühlen erlebt. Einerseits freue ich mich auf daheim, auf meine Familie und Freunde, andererseits gäbe es noch so vieles in Afrika zu erkunden. Besonders die täglichen Überraschungen werden mir fehlen. Die ständige Ungewissheit, wo ich am Abend schlafen werde, wem ich begegnen werde. Zu Beginn meiner Reise war ich immer etwas nervös, wollte immer wissen wo ich am Abend mein Zeit aufstellen kann. Doch nach einiger Zeit wurde ich entspannter. Wenn die Sonne untergeht, schaue ich wo ich bin, wo ich schlafen werde. Und man muss JA sagen. Wenn ich mich (mehr oder weniger) sicher fühle, nehme ich Einladungen zu Einheimischen an, oder zu einer Autofahrt ins Nirgendwo. Und genau dann passieren die besten Dinge, die schönsten Begegnungen. Ich lernte Menschen blind zu vertrauen. Und dieses Vertrauen spüren die Menschen, sie respektieren dich und passen auf dich auf.

Ich freue mich unglaublich auf zu Hause, aber ich habe Angst vor der alltäglichen Routine. Ich habe Angst, dass ich diese täglichen Überraschungen nicht mehr erleben darf.

Dazu ein kurzes Beispiel: Meine Fahrt vom Sani Pass nach Durban:

Tag 1: Sani Pass

Ich treffe Olivier, einen Radfahrer, der ähnlich wie ich schon lange Zeit im Sattel sitzt. Wir sprechen 1 Minute miteinander und wir sind absolut auf der gleichen Wellenlänge. Er erzählt mir die unglaublichsten Geschichten seiner Reise. Fazit: Ich möchte bald quer durch Afrika radeln.

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Frühstück mit Olivier bevor sich unsere Wege wieder trennen. Ich fahre nach Süden, Olivier nach Norden.

Tag 2:

Es wird langsam finster und der Nebel verspricht eine kalte und feuchte Nacht im Zelt. Ich finde keinen abgelegenen Zeltplatz, da die Zäune neben der Straße zu hoch sind. Ich frage bei einer Farm, ob ich mein Zelt aufstellen darf. Ich komme jedoch nicht zu einer Farm, sondern zu einem Firmenmeeting. Ich verbringe einen tollen Abend am Lagerfeuer und werde auf BQQ, Bier und Shots eingeladen. Danach kann ich im Garten mein Zelt aufstellen.

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Ich werde auf ein Festmahl eingeladen.

Tag 3:

Ich fahre durch abgelegene Landschaften, Maisfelder und kleine Dörfer. Bei einem kleinen Café mache ich Mittagspause. Ich komme mit dem Inhaber ins Gespräch und wundere mich, wieso ein Mann, der so abgelegen wohnt, so viele unglaubliche Geschichten über alle Länder dieser Welt erzählen kann. Ganz einfach: Er war über 25 Jahre Diplomat von Südafrika und kam vor einem Jahr zurück in sein Heimatdorf, um seine Pension zu genießen. Die Mittagspause wurde etwas länger ☺

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Ein ehemaliger Diplomat hat so einiges zu erzählen.

 Tag 4:

Ich komme im Hostel in Scottburgh an und werde sofort feucht fröhlich von den Inhabern begrüsst. Am Abend fahre ich mit ihnen in eine Bar und versuche die Einheimischen im Billard zu schlagen. Ohne Erfolg. Später kann ich mein Zelt im Garten des Hostels aufstellen und muss nur die Hälfte bezahlen.

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In vielen Hostels kann ich mein Zelt im Garten aufstellen und muss nicht den vollen Preis zahlen.

Tag 5:

Kurz vor Durban mache ich bei einem kleinen Shop halt, um etwas zum Trinken zu kaufen. Die Inhaberin fragt mich nach meiner Story und ist so begeistert, dass sie schnell nach Hause geht und mir eine eine Kleinigkeit zu Essen mitbringt. Den Abend genieße ich mit einigen anderen Backpackern im Hostel in Durban.

Und das war nur ein kurzer Ausschnitt von dem, was ich tag täglich erleben darf.

 Gott sei Dank gibt es Menschen, die ihre Gedanken so gut in Bild und fassen können ☺Es gibt einen kurzen Film, der den Nagel wirklich auf den Kopf trifft.:

Jetzt bin ich schon gespannt, welche Überraschungen das letzte Monat in Europa für mich bringt. Ich bin für alles bereit und freue mich danach schon richtig auf zu Hause. Dennoch wird es bestimmt nicht meine letzte Reise gewesen sein! Es gibt noch so vieles zu entdecken.

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Ein Ende meiner Reise ist in Sicht

Aber jetzt gehts nach Paris und ich freue mich schon unglaublich auf ein schönes Wochenende mit meinen Eltern. Nach knapp eineinhalb Jahren werde ich meine Mama wieder sehen und 8 Monate ist es her, als mich mein Papa in Kirgisistan besuchte. Das Rad ist zerlegt, die Taschen sind gepackt, der Bart und die Haare sind geschnitten… Auf nach Paris!!!

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Die Frisörin als sie meine Haare sieht: “in meinen 25 Arbeitsjahren habe ich noch nie so ungepflegte Haare gesehen. (alles ist filzt) Ah, doch einmal, ein Junge von der Straße”